Konzept:

Die Kult-Kunst, “Alte Schinken“- overdressed, ist eine Koproduktion der beiden Künstlerinnen Gabriele Wasserschaff und Karin Tänzer.
Das erste Werk innerhalb des Projektes “Alte Schinken“- overdressed“ entstand beinah zufällig 1994, von Gabriele Wasserschaff zunächst konzeptioniert, dann in ein Bild umgesetzt. Erst jetzt schien die Zeit reif, um eine umfangreiche „Kult-Serie“ daraus zu gestalten, aus einem Gefühl oder Instinkt heraus, den heutigen Zeitgeist zu treffen.

Entgegen anderen Künstlern, dienen den beiden Künstlerinnen als Malgrund keine weißen Leinwände, sondern alte Ölgemälde der profanen Kaufhauskunst, die hauptsächlich in den 50er und 60er Jahren als Massenware entstanden sind. Als Kitsch und Platituden verpönt, beinhalten diese eine Art sehnsuchtsartige Gefühlsausdrücke wie röhrende Hirsche auf einer Lichtung, massive Berglandschaften hinter einer einsamen Almhütte, weinende Zigeunerinnen mit dem gewissen Sexappeal. Diese Kunst gipfelte in dem verklärt romantisch angehauchten Jesus, mit wallendem Haar, der ein weißes Lamm hütet oder im Arm hält.

Diese Ölbilder, meist auf Holz gemalt, gehörten einfach mit zu unserem Kulturkreis, man fand sie fast in jedem Wohnzimmer oder über dem Bett im Schlafzimmer. So verwundert es auch nicht, dass man sie schlichtweg als „Feld- und Wiesenmalerei“ betitelte und mit ihren stereotypen Inhalten waren sie leicht konsumierbar und verlangten keine großen gedanklichen Anstrengungen seitens des Betrachters. Als Massenware, da für jeden Geldbeutel erschwinglich, konnte sie jeder käuflich erwerben und hatte somit “Kunst“ erworben. Obwohl es “echt gemalte Ölbilder“ sind und im künstlerischen Sinne als maltechnisch einwandfrei gelten könnten (man denke an den Realismus), mangelt es ihnen an tiefgründigen oder kritischen Aussagen. Aber der Respekt vor der einwandfreien technischen Umsetzung und auch gleichzeitig vor dem Künstler, strotzten die Bilder unsere Zeit. Zudem assoziieren sie noch heute bestimmte Bilder und Reminiszenzen in unseren Köpfen, die sich um eine heile Welt in der bürgerlichen 60er-Jahre-Zeit drehen. Sie gaben uns Trost, erinnerten an eine meist glückliche und meist problemfreie Kindheit. Deshalb findet man sie noch haufenweise auf Flohmärkten und Dachböden. Der röhrende Hirsch feiert gerade sein Come back als Inkarnation des Kitsches.

Und eben diese alten Schinken sind Vorlage der beiden Künstlerinnen, die nun überkleidet (= overdressed), indem sie thematisch, technisch undstilistisch durchbrochen, in einen neuen Kontext gesetzt werden. Mitten in dieser gemalten Idylle platzt etwas herein, was zunächst nicht zu passen scheint. Ein Comicheld (z.B. Superman, Superwoman), eine Mangafigur, eine nackte Frau mit modernen Zitaten aus der Werbewelt, eine Modefigurine mit Markenfixierung auf Chanel oder Prada, die diese heile Welt der “alten Schinken“ in Frage stellt. Durch das Transferieren in einen neuen Kontext entsteht Ironie. Die neuen Übermalungen von Figurinen oder Zitaten aus der Jetzt-Zeit geben dem neuen Bild einen völlig anderen Sinn. Der Betrachter schmunzelt über diese neue Ideenvielfalt. Denn plötzlich verändert sich die Kulisse des einst so kitschigen Bildes massiv durch eine neue schrille Farbgebung, Collagentechnik, artfremdes Material, das selbst vor den Schnörkelrahmen nicht halt macht. Ein neues Bild im Bild ist geboren! Kunst frech über Kunst gesetzt! Dennoch ist das Neue uns auch vertraut. Denn wir kennen alle die modernen Werbe-Attitüden, Modezitate und den Witz, der darin liegt. Diese uns so bekannten Slogans und Zeichen unserer Zeit machen aus einem „alten Schinken“ ein modernes, dekoratives und ironisches Bild.

Giovanna Pisacane

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